JAMBLOUYA

Dies ist der Jamliner-Blog von Pouya. Pouya macht sein FSJ im Jamliner. Hier kannst Du nachlesen, was im Jamliner so passiert.


 

JAMBLOUYA (Nr.2)

Moin Leute,

Heute möchte ich gerne über einen weiteres sehr talentiertes Kind schreiben, das ich kennenlernen durfte.

Ben ist 15 Jahre alt, kommt aus Ghana und lebt noch nicht lange in Deutschland, weshalb wir mit ihm oft noch auf Englisch sprechen.

Ich selber habe ihn bisher nur eine Vertretungsstunde im Bus gehabt, da er in einer der Nachmittagsbands ist und ich an dem Standort nur Vormittags im Einsatz bin. Aber diese eine Stunde hat ausgereicht, um sein musikalisches Talent zu erkennen.

Tom aus dem letzen Artikel ist der Schlagzeuger dieser Band und probt in den Pausen mit Ben zusammen im Musikraum der Schule, wo Ben Tom teilweise komplexere Ghanaisch geprägte Rhythmen zeigt und ihm geduldig, Schritt für Schritt beibringt.

Ben hatte den Bass, der auch sein Hauptinstrument ist, in der Hand, als ich ihn kennenlernte.

Wir spielten ihren Song, den ich ja bis dahin noch nicht kannte. Tom spielte einen der Schlagzeuggrooves, die Ben ihm beigebracht hatte und Ben selbst fing an den Bass zu spielen, während ich am Keyboard saß.

Er spielte für sein Alter wirklich unglaublich gut Bass und zusätzlich improvisierte er, was das Zeug hielt. Es gab keinen Takt, der genau wie der Vorherige gespielt wurde, sondern immer irgendeine Variation und am Ende des Teils oft einen Bass-Fill. Alle Töne waren genau auf dem Takt und es gab keinen einzigen Fehler.

Ich dachte mir, er musste auf jeden Fall irgendeine Form von Unterricht bekommen haben, um sich schon so gut mit dem Bass auszukennen.

Wir spielten den Teil, den die Band bereits geschrieben hatte und es dauerte nicht lange, bis er gut gespielt wurde, also machten wir uns an einen 2. Teil, der ebenfalls innerhalb von 10 Minuten im Wechsel mit dem 1. Teil gespielt werden konnte.

Dann fragte Ben, ob er mal an das Keyboard kann. Und da beide Teile gut gespielt werden konnten, tauschten Ben und ich einfach die Instrumente. Wir spielten die beiden Teile immer nacheinander abwechselnd und Ben spielte erst die Akkorde beider Teile, die ich ihm davor nicht gezeigt hatte, und fing dann an ein Solo zu spielen, und zwar genauso gut, wie er den Bass spielte.

Während er spielte, sang er auf einmal eine Melodie, was er selber, glaube ich, gar nicht bemerkte.

Er hatte am Anfang der Stunde zu mir gesagt, er könne Bass und nur ein wenig Schlagzeug spielen, aber das ist keineswegs alles. Er hat fortgeschrittene Improvisationsfähigkeiten (auf mehreren Instrumenten) und ein ausgebildetes Rhythmusgefühl.

Und was ich so interessant und toll daran finde, ist die Tatsache, dass er sich die Zeit nimmt, Tom Dinge beizubringen, obwohl Tom gerade erst die Basics vom Schlagzeug lernt und Ben bereits problemlos komplexe Rhythmen spielt. Tom bekommt auf diese Weise einen gleichaltrigen Freund, mir dem er Musik machen kann und der ihm sogar helfen kann, besser zu werden. Gleichzeitig hat Ben jetzt auch Jemanden mit dem er seine musikalischen Ideen ausleben kann und natürlich einen guten Freund.

Perfekt, dass die Zwei aufeinander gestoßen sind !

Peace Pouya

 

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JAMBLOUYA  (Nr. 1)

Hey!

Ich bin Pouya und ich mache ein freiwilliges soziales Jahr beim Jamliner.

Ich spiele hauptsächlich Gitarre und singe, habe bereits in einigen Bands mitgespielt und die ein oder andere Jamsession genossen. Aber von einem Bus, in dem man Musik schreiben, spielen und aufnehmen kann, hatte ich bis vor ein paar Monaten noch nichts gehört.

Und weil ich jetzt in genau diesem Bus mein FSJ mache und ich das Projekt so interessant finde, dachte ich mir, ich halte einfach alles, was ich daran so interessant finde in einem Blog fest. Dem Jamliner-Blog von Pouya, also zusammen „JAM-BLO-UYA“.

Alle zwei Wochen kommt ein neuer Artikel auf diese Seite, in dem ich über meine persönlichen Erfahrungen im Jamliner, also z.B. eine bestimmte Band oder auch einfach einen alltäglichen Vorgang im Jamliner, wie den Anschluss des Busses an den Strom, schreibe.

Jetzt möchte ich aber nicht über den Aufbau des Busses sprechen sondern über einen sehr talentierten Jungen, der am Standort Alter Teichweg im Jamliner seit einem halben Jahr Schlagzeug spielt.

Da ich seinen Namen nicht erwähnen darf und auch nicht will, nenne ich ihn jetzt einfach mal Tom.Tom war seit seiner ersten Stunde im Jamliner total begeistert vom Schlagzeug. Er hatte davor noch kein Instrument gespielt und hatte noch, wie viele Kinder in seinem Alter Probleme, im Takt zu bleiben. Aber er lernte unglaublich schnell und wollte immer mehr dazu lernen.

Er fing an bei Kick und Snare (oder Bumm und Tschack), spielte dann bald darauf schon die Hi-Hat in Achteln dazu.

Als er irgendwann hörte, wie ich selber am Schlagzeug saß und kleine Snare Akzente zu dem ursprünglichen Beat des Band-Songs spielte, wollte er das sofort nachspielen. Es dauerte natürlich etwas, bis er das Ganze fließend spielen konnte, aber er wollte den normalen Beat ohne die Akzente nicht nochmal spielen. 

Schließlich fragte er mich dann irgendwann, ob er die Toms und die Becken einbringen könnte. Ich sagte ihm, dass man beispielsweise jeden vierten Takt einen Schlagzeug-Fill spielen könnte und spielte ihm einen Fill vor. In der selben Stunde schaffte er es noch nicht den Fill zu spielen.

Da ein Fill sehr schwer zu spielen ist, wenn man erst seit ein paar Monaten jede Woche nur eine Stunde Schlagzeug spielt, war ich mir sicher, dass er dafür länger brauchen würde.

Doch in der nächsten Stunde kam er strahlend in den Bus und erzählte begeistert, dass er den Fill geübt hat, jetzt spielen kann und uns unbedingt zeigen muss. Wir hatten an dem Tag aber noch Textarbeit für den Song vor uns, also musste er sich etwas gedulden. Während alle gemeinsam am Text arbeiteten, schaute er immer wieder zum Schlagzeug und zappelte mit seinen Beinen.

Als er dann am Ende noch am Schlagzeug saß, spielte er fast einwandfrei den Fill aus der letzten Stunde nach.

Ich war ziemlich baff, dass er, trotz des sehr harten Anfangs beim Lernen eines neuen Instruments, so viel Freude am spielen fand und so motiviert war, dass er innerhalb einer Woche solche Fortschritte machte.

Und obwohl es natürlich eher schlecht ist, im Unterricht mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, fand ich es total schön, von seiner Klassenlehrerin bei einem Gespräch zu hören, dass Tom im Unterricht garnicht mehr richtig aufpasst, sondern immer mit Bundstiften auf dem Tisch seine Schlagzeug-Grooves übt.

Da die Jugendmusikschule in Hamburg an Musik interessierte Kinder und Jugendliche fördert, schlug eine Mitarbeiterin an dem Standort vor, einen Antrag auf stark kostenreduzierten oder vielleicht sogar kostenlosen Schlagzeugunterricht für Tom zu stellen.

Nach einigen Malen, an denen er vergaß, die nötigen Formulare von seinen Eltern ausfüllen zu lassen, wurde der Antrag schließlich gestellt und ich bin mir zu 100% sicher, dass er den Unterricht bekommen wird.

Peace!

Pouya