JAMBLOUYA

Dies ist der Jamliner-Blog von Pouya. Pouya hat sein FSJ im Jamliner gemacht. Hier kannst Du nachlesen, was im Jamliner so passiert.


JAMBLOUYA (Nr. 4)

Hallöchen!

Wenn man in einer Band spielt, dann ist neben einer CD mit dem eigenen Song der erste große Auftritt eine coole Sache!

Dafür gibt es beim jamliner das jamliner-Festival, wo alle Bands, die im Bus waren, die Möglichkeit haben ihren Song auf die Bühne zu bringen. Auf dem Fest sind dann nur das jamliner-Team und die Bands.

Natürlich ist es eine Spur schwieriger den Song auf einer Bühne mit Publikum zu spielen, aber wenn man erst mal am spielen ist, macht es total spaß und fast immer läuft alles glatt.

Die Leute aus dem jamliner-Team, die mit der jeweiligen Band im Bus Musik gemacht haben, sind dann auch mit auf der Bühne, um zu helfen, falls nötig.

Wenn zum Beispiel eine/r aus der Band nicht kommen konnte, dann übernimmt seinen/ihren Teil jemand aus dem jamliner-Team.

Es ist total interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Ergebnisse der Bands sind.

Ob es nun rockig und laut wird, ein Straßenrap auf einem HipHop Beat mit fetten Drums, oder ein eher ruhigeres Liebeslied. Das ist komplett der Band überlassen und egal in welche Richtung es geht, man hat am Ende eigentlich immer ein gutes Ergebnis.

Insbesondere die Fortschritte die man in dem Instrument (das man vielleicht noch nie zuvor gesehen hat) innerhalb von einem halben Jahr gemacht hat, machen den Auftritt auf dem jamliner-Festival noch toller, da man zeigen kann, was man in dem halben Jahr alles gelernt hat.

Zusätzlich zur Musik gibt es kostenlos Essen und Trinken. Nebenan stehen sogar einpaar Tischtennisplatten bereit.

Klingt nach Spaß!

Zusätzlich zu den Songs der ganzen Bands, gab es dieses Jahr auch noch einen jamliner-Song, der vom jamliner-Team (mir inklusive)  gespielt wurde.

Mir hat das sehr viel Spaß gemacht! Und überhaupt an der Durchführung beteiligt zu sein war eine tolle Erfahrung.

Meine FSJ-Zeit geht ja nun auch bald zuende und ich bin wirklich froh, dass ich mal für ein Jahr in das Projekt reinschnuppern konnte und so viele Bands beim Musik machen und lernen begleiten konnte.

Ich selbst hab dabei auch echt viel gelernt, sowohl musikalisch gesehen, als auch was die Arbeit mit Kindern angeht!

Aber vor allem hat es einfach Spaß gemacht. Es ist unglaublich erfüllend, dabei zuzusehen, wie Kinder, die vor einem halben Jahr noch nie ein Instrument angefasst hatten und zum Teil unglaublich unsicher sind, auf einmal stolz ihre eigene CD mit ihrem eigenen Song in der Hand halten.

Hammer Projekt!

Peace!

Pouya

 


JAMBLOUYA (Nr.3)

Hello again!

Da man sich vielleicht nicht immer direkt vorstellen kann, wie der Alltag in so einem Musikbus überhaupt aussieht, dachte ich mir, ich beschreibe das euch einfach in diesem supercoolen Blog! 😉

So ein Tag im Jamliner beginnt normalerweise mit dem Aufbau. Die Verstärker, der Computer, der Mixer und die Lichter im Bus benötigen natürlich Strom, weshalb wir den Bus mit Starkstromkabeltrommeln an den Strom schließen, der entweder von der jeweiligen Schule oder einem örtlichen Stromkasten kommt.

Dann geht’s hinten im Bus weiter, wo wir die Gitarren stimmen und alle Verstärker anschalten.

Im Winter schließen wir als allererstes die Hitzestrahler an, an heißen Tagen kommt die Klimaanlage zum Einsatz.

Vormittags kommen gewöhnlicherweise 4 Bands aus der örtlichen Schule, die jeweils eine Stunde proben.

Nach der Mittagspause gibt es ein sogenanntes offenes Angebot.

Das heißt, nachmittags können sich auch solche Bands anmelden, die nicht unbedingt in die örtliche Schule gehen sondern einfach mal den Bus gesehen und dann Lust bekommen haben eine Band zu starten.

Je nachdem wie weit wir mit den jeweiligen Bands sind, schreiben wir am Songtext weiter oder arbeiten an der Musik – Oft die gesunde Mischung aus Beidem.

In den ersten Stunden machen wir natürlich erstmal einfache Rhythmusübungen, probieren einfache Beats und tasten uns an die Instrumente (Bass, Schlagzeug, Gitarre oder Keyboard) ran.

Dann versuchen wir in den nächsten Stunden das Instrumental für den Song zu entwickeln. Also meistens 2 verschiedene Teile, je nachdem was mit der jeweiligen Band möglich ist. Das gilt es natürlich dann erstmal zu üben. Parallel dazu setzen wir uns an den Songtext, der dann zur Musik entweder gerappt oder gesungen wird.

Wenn das alles sitzt, machen wir uns an die Aufnahme für die CD. Entweder nehmen wir Stück für Stück die verschiedenen Instrumente auf oder die Band spielt zusammen und wir nehmen es direkt auf. Das kommt immer drauf an, wie gut die Band zusammenspielt.

Für die CD schießen wir dann noch ein schickes Foto, klatschen den Bandnamen und den Songtitel drauf und fertig ist die CD mit eigenem CD-Cover!

Der nächste Schritt für die Band ist dann der große Auftritt beim Jamliner-Festival, wo alle Kinder, die im Jamliner in einer Band spielen, ihren Song vorspielen und anderen Bands aus dem Jamliner zugucken können.

Jetzt kann man sich vielleicht vorstellen wie das im Jamliner so läuft und was das Ziel von dem Projekt ist.

Peace!

Pouya

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


JAMBLOUYA (Nr.2)

Moin Leute,

Heute möchte ich gerne über einen weiteres sehr talentiertes Kind schreiben, das ich kennenlernen durfte.

Ben ist 15 Jahre alt, kommt aus Ghana und lebt noch nicht lange in Deutschland, weshalb wir mit ihm oft noch auf Englisch sprechen.

Ich selber habe ihn bisher nur eine Vertretungsstunde im Bus gehabt, da er in einer der Nachmittagsbands ist und ich an dem Standort nur Vormittags im Einsatz bin. Aber diese eine Stunde hat ausgereicht, um sein musikalisches Talent zu erkennen.

Tom aus dem letzen Artikel ist der Schlagzeuger dieser Band und probt in den Pausen mit Ben zusammen im Musikraum der Schule, wo Ben Tom teilweise komplexere Ghanaisch geprägte Rhythmen zeigt und ihm geduldig, Schritt für Schritt beibringt.

Ben hatte den Bass, der auch sein Hauptinstrument ist, in der Hand, als ich ihn kennenlernte.

Wir spielten ihren Song, den ich ja bis dahin noch nicht kannte. Tom spielte einen der Schlagzeuggrooves, die Ben ihm beigebracht hatte und Ben selbst fing an den Bass zu spielen, während ich am Keyboard saß.

Er spielte für sein Alter wirklich unglaublich gut Bass und zusätzlich improvisierte er, was das Zeug hielt. Es gab keinen Takt, der genau wie der Vorherige gespielt wurde, sondern immer irgendeine Variation und am Ende des Teils oft einen Bass-Fill. Alle Töne waren genau auf dem Takt und es gab keinen einzigen Fehler.

Ich dachte mir, er musste auf jeden Fall irgendeine Form von Unterricht bekommen haben, um sich schon so gut mit dem Bass auszukennen.

Wir spielten den Teil, den die Band bereits geschrieben hatte und es dauerte nicht lange, bis er gut gespielt wurde, also machten wir uns an einen 2. Teil, der ebenfalls innerhalb von 10 Minuten im Wechsel mit dem 1. Teil gespielt werden konnte.

Dann fragte Ben, ob er mal an das Keyboard kann. Und da beide Teile gut gespielt werden konnten, tauschten Ben und ich einfach die Instrumente. Wir spielten die beiden Teile immer nacheinander abwechselnd und Ben spielte erst die Akkorde beider Teile, die ich ihm davor nicht gezeigt hatte, und fing dann an ein Solo zu spielen, und zwar genauso gut, wie er den Bass spielte.

Während er spielte, sang er auf einmal eine Melodie, was er selber, glaube ich, gar nicht bemerkte.

Er hatte am Anfang der Stunde zu mir gesagt, er könne Bass und nur ein wenig Schlagzeug spielen, aber das ist keineswegs alles. Er hat fortgeschrittene Improvisationsfähigkeiten (auf mehreren Instrumenten) und ein ausgebildetes Rhythmusgefühl.

Und was ich so interessant und toll daran finde, ist die Tatsache, dass er sich die Zeit nimmt, Tom Dinge beizubringen, obwohl Tom gerade erst die Basics vom Schlagzeug lernt und Ben bereits problemlos komplexe Rhythmen spielt. Tom bekommt auf diese Weise einen gleichaltrigen Freund, mir dem er Musik machen kann und der ihm sogar helfen kann, besser zu werden. Gleichzeitig hat Ben jetzt auch Jemanden mit dem er seine musikalischen Ideen ausleben kann und natürlich einen guten Freund.

Perfekt, dass die Zwei aufeinander gestoßen sind !

Peace Pouya

 

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JAMBLOUYA  (Nr. 1)

Hey!

Ich bin Pouya und ich mache ein freiwilliges soziales Jahr beim Jamliner.

Ich spiele hauptsächlich Gitarre und singe, habe bereits in einigen Bands mitgespielt und die ein oder andere Jamsession genossen. Aber von einem Bus, in dem man Musik schreiben, spielen und aufnehmen kann, hatte ich bis vor ein paar Monaten noch nichts gehört.

Und weil ich jetzt in genau diesem Bus mein FSJ mache und ich das Projekt so interessant finde, dachte ich mir, ich halte einfach alles, was ich daran so interessant finde in einem Blog fest. Dem Jamliner-Blog von Pouya, also zusammen „JAM-BLO-UYA“.

Alle zwei Wochen kommt ein neuer Artikel auf diese Seite, in dem ich über meine persönlichen Erfahrungen im Jamliner, also z.B. eine bestimmte Band oder auch einfach einen alltäglichen Vorgang im Jamliner, wie den Anschluss des Busses an den Strom, schreibe.

Jetzt möchte ich aber nicht über den Aufbau des Busses sprechen sondern über einen sehr talentierten Jungen, der am Standort Alter Teichweg im Jamliner seit einem halben Jahr Schlagzeug spielt.

Da ich seinen Namen nicht erwähnen darf und auch nicht will, nenne ich ihn jetzt einfach mal Tom.Tom war seit seiner ersten Stunde im Jamliner total begeistert vom Schlagzeug. Er hatte davor noch kein Instrument gespielt und hatte noch, wie viele Kinder in seinem Alter Probleme, im Takt zu bleiben. Aber er lernte unglaublich schnell und wollte immer mehr dazu lernen.

Er fing an bei Kick und Snare (oder Bumm und Tschack), spielte dann bald darauf schon die Hi-Hat in Achteln dazu.

Als er irgendwann hörte, wie ich selber am Schlagzeug saß und kleine Snare Akzente zu dem ursprünglichen Beat des Band-Songs spielte, wollte er das sofort nachspielen. Es dauerte natürlich etwas, bis er das Ganze fließend spielen konnte, aber er wollte den normalen Beat ohne die Akzente nicht nochmal spielen. 

Schließlich fragte er mich dann irgendwann, ob er die Toms und die Becken einbringen könnte. Ich sagte ihm, dass man beispielsweise jeden vierten Takt einen Schlagzeug-Fill spielen könnte und spielte ihm einen Fill vor. In der selben Stunde schaffte er es noch nicht den Fill zu spielen.

Da ein Fill sehr schwer zu spielen ist, wenn man erst seit ein paar Monaten jede Woche nur eine Stunde Schlagzeug spielt, war ich mir sicher, dass er dafür länger brauchen würde.

Doch in der nächsten Stunde kam er strahlend in den Bus und erzählte begeistert, dass er den Fill geübt hat, jetzt spielen kann und uns unbedingt zeigen muss. Wir hatten an dem Tag aber noch Textarbeit für den Song vor uns, also musste er sich etwas gedulden. Während alle gemeinsam am Text arbeiteten, schaute er immer wieder zum Schlagzeug und zappelte mit seinen Beinen.

Als er dann am Ende noch am Schlagzeug saß, spielte er fast einwandfrei den Fill aus der letzten Stunde nach.

Ich war ziemlich baff, dass er, trotz des sehr harten Anfangs beim Lernen eines neuen Instruments, so viel Freude am spielen fand und so motiviert war, dass er innerhalb einer Woche solche Fortschritte machte.

Und obwohl es natürlich eher schlecht ist, im Unterricht mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, fand ich es total schön, von seiner Klassenlehrerin bei einem Gespräch zu hören, dass Tom im Unterricht garnicht mehr richtig aufpasst, sondern immer mit Bundstiften auf dem Tisch seine Schlagzeug-Grooves übt.

Da die Jugendmusikschule in Hamburg an Musik interessierte Kinder und Jugendliche fördert, schlug eine Mitarbeiterin an dem Standort vor, einen Antrag auf stark kostenreduzierten oder vielleicht sogar kostenlosen Schlagzeugunterricht für Tom zu stellen.

Nach einigen Malen, an denen er vergaß, die nötigen Formulare von seinen Eltern ausfüllen zu lassen, wurde der Antrag schließlich gestellt und ich bin mir zu 100% sicher, dass er den Unterricht bekommen wird.

Peace!

Pouya